Eine deutsche Stadt wird polnisch. Am Ende des Zweiten Weltkriegs wurde aus Breslau, der damals größten deutschen Stadt östlich von Berlin, Wroclaw, eine Stadt im westlichen Polen. Für Militärs und Diplomaten ein Federstrich, bedeutete es für die Menschen vor Ort einen dramatischen Bruch, der das Leben Breslaus bis heute bestimmt. Eindrucksvoll schildert Gregor Thum diesen Prozess von Vertreibung und Ansiedlung, Zerstörung und Aufbau, Verdrängung und Erinnerung. Wer einen Ort sucht, an dem sich das Drama Europas im 20. Jahrhundert verdichtet erfahren lässt, der findet ihn in dieser Stadt.
Gregor Thum Ordre des livres


- 2006
- 2003
Die fremde Stadt Breslau 1945
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Breslau hat im Laufe seiner Geschichte viele Herrscher gesehen. Aber nur 1945 folgte auf die Verschiebung der Staatsgrenzen ein vollständiger Bevölkerungsaustausch. Die Deutschen wurden aus Breslau vertrieben und durch Polen ersetzt, von denen viele ihrerseits Vertriebene aus dem an die Sowjetunion gefallenen Ostpolen waren. Für die meisten Ansiedler blieb Breslau lange eine fremde Stadt, die, so die verbreitete Furcht, früher oder später wieder an die Deutschen fallen würde. Noch bis in die fünfziger Jahre war die beim Kampf um die "Festung" Breslau in den letzten Kriegsmonaten zerstörte Stadt eine Trümmerwüste. Doch im diplomatischen Ringen um die Oder-Neisse-Grenze war Breslau von so herausragender politischer Bedeutung, dass der polnische Staat und seine Gesellschaft in gemeinsamer Anstrengung darangingen, Breslau wieder aufzubauen und zu einer glänzenden Metropole zu machen. Der Autor schildert, wie sich der Bruch von 1945 aus der Perspektive Breslaus ausnahm, wie man aus einer deutschen eine polnische Stadt zu machen versuchte und wie sich dies im Stadtbild niedergeschlagen hat. Breslaus deutsche Geschichte wurde lange verdrängt und ihre Spuren beseitigt. Heute jedoch wird sie von den polnischen Breslauern als Teil einer besonderen lokalen Identität wahrgenommen. Breslau erfindet sich noch einmal neu.