Gerhard Oberlin Livres






Stille zwischen den Meeren
- 83pages
- 3 heures de lecture
Blutrausch
- 290pages
- 11 heures de lecture
Wenn Literatur im Allgemeinen ein Erkenntnisschlüssel ist, der uns neue Gedankenwelten erschließt, dann ist das bei Franz Kafka ganz besonders der Fall. Daher beginnt unsere Reihe Literatur verstehen - Text + Deutung mit dem österreichisch-tschechoslowakischen Autor, der zeitlebens - er starb 1924 - so gut wie unbekannt blieb. Wem seine heutige Berühmtheit ein Rätsel ist, wie seine Texte ihm selbst ein Rätsel waren, steht am Anfang eines Entdeckungsabenteuers, sobald er sich vornimmt, das Rätsel zu lösen. Der Autor kann ihm auf seine Fragen nicht mehr antworten, so wenig er es damals konnte. Den Brief eines seiner wenigen Leser vom 10. April 1917 müssen andere für ihn beantworten: "Sehr geehrter Herr [Kafka], Sie haben mich unglücklich gemacht. Ich habe Ihre Verwandlung gekauft und meiner Kusine geschenkt. Die weiß sich die Geschichte aber nicht zu erklären. Meine Kusine hats ihrer Mutter gegeben, die weiß auch keine Erklärung. Die Mutter hat das Buch meiner anderen Kusine gegeben und die hat auch keine Erklärung. Nun haben sie an mich geschrieben. Ich soll ihnen die Geschichte erklären. Weil ich der Doctor der Familie wäre. Aber ich bin ratlos. [...] Nur Sie können mir helfen. Sie müssen es; denn Sie haben mir die Suppe eingebrockt
Apokalypse
- 211pages
- 8 heures de lecture
Eifersucht
- 207pages
- 8 heures de lecture
Der Herr der Hähner
- 180pages
- 7 heures de lecture
"Der beiläufige Satz eines japanischen Germanistikstudenten: »Bei Rilke gibt es viel zu verstehen« galt auf Rückfrage nicht den sprachlichen Schwierigkeiten; auch wollte er nicht die Probleme der Deutung ansprechen, sondern es fiel ihm schwer, »die paradoxe Mischung aus Faszination und Befremden« zu begreifen, die Rilkes Texte bei ihm auslösten. Die »Anti-Sympathie«, wie er es nannte, hielt er für den eigentlichen Grund, weshalb dieser Dichter ihn interessiere. Weil der Eindruck des Obsoleten mit dem der Aktualität ständig wechsle, müsse man zuerst sich selbst und seine eigene Zeit verstehen, wenn man Rilke verstehen wolle. Der Student gehörte zu jenen nichtdeutschen Lesern, welche die deutsche Rilke-Leserschaft seit längerem an Zahl und Diskursaktivität übertreffen. Ob in den USA, Frankreich, Russland oder Japan: Rilkes Werke, vor allem aber die Gedichte, gehören dort noch oder wieder zur geistigen ›Grundnahrung‹ der Gebildeten. Dieses Buch soll nicht nur zum Lesen beflügeln und beim ›Verstehen‹ helfen, sondern den ›Zeitgeist‹ von heute mit jenem von damals abgleichen und dazu Rilkes Lyrik um Moderation bitten."--Page 4 of cover
Wenn Autoren sich förmlich in die Moderne hineinschreiben, indem sie diese künstlerisch mitbegründen, entwickeln sie nicht nur neue, nie dagewesene Formen, sondern stoßen auch auf Inhalte, die bisher der Taburegel zum Opfer fielen. Indem sich im Werk dieses früh aus dem Leben geschiedenen Autors sowohl das ?Normale? mit dem ?Aberranten?, das Konventionelle mit dem Unüblichen, das Opportune mit dem Anstößigen mischt, geht auch das Realistische mit dem Fantastischen eine Melange ein, die erstmals surrealistische Züge trägt. 0Heinrich von Kleist lebte in brennenden oder schwelenden Revolutionszeiten,0die mit der Egalität neue Ideale der Selbstbestimmung und Würde hochhoben und doch wieder verrieten. Dieses Buch widmet sich einigen von Kleists Erzählungen, die an experimentellem Verve nichts zu wünschen übrig lassen und überraschend Themen extrapolieren, die darauffolgende Jahrhunderte bis heute beschäftigen, etwa das problematische Verhältnis von Ich, Kultur und Gesellschaft im Zeichen des industriellen und nachindustriellen Zeitalters. Jede Erzählung ist dabei eine ?Geschichte? der Gewalt im doppelten Sinn dieses Wortes und rechtfertigt den Ruhm des Autors als ?Aufklärer in extremis?
The Day Before the Day After
Die Illusion der atomaren Beschirmung
Auch die Generation der Babyboomer ahnt, dass sich ihr egoistisches Wohlstandsmodell überlebt hat und sie den Nachkommen eine sehr viel bedrohtere, kompliziertere Welt hinterlässt, als sie sie vorfand. Zu den unverdrängbaren Tatsachen gehört, dass Arbeit, Umwelt, Klima, Gesundheit, ja Frieden und Freiheit gefährdet sind und – sie (fast) nichts unternommen hat, um Unheil abzuwenden. Genau in dieser Dramatik kommt das Schuldgefühl daher, das bei vielen aber nicht zu engagierter Mitsprache und Intervention, sondern zu einer verzagten Einmischungsabstinenz führt. Was die Jungen denken, fühlen, ahnen, tun – ihre Eltern und Großeltern scheint es oft nichts anzugehen. Vor allem Jugendliche leben auf einer psychosozialen Insel, sind mit ihrer Zukunft allein und suchen Trost, Zerstreuung, Wärme, Ablenkung in Flashmob-Events und an sozialen Brennpunkten, wo Drogen und Alkohol für Partylaune sorgen. Dieses Buch macht mit seiner Analyse klar, dass es mit permissiver Duldung, Nachsicht, Verständnis seitens der Älteren nicht getan ist, wenn sie ihre Schuld nicht zu Sühne, und das heißt zur Arbeit an Lösungen für die Probleme der Zeit münzen – und im Übrigen dafür sorgen, dass antisoziales Chaos nicht schöngeredet und ungestraft hingenommen wird. Eine „lost generation“ kann sich keine Gesellschaft leisten.
Die meiste Zeit existieren wir nicht
Über das Verhältnis von Lebenszeit und Universum
- 170pages
- 6 heures de lecture
Büchner verstehen
Text + Deutung
Goethe verstehen
Text + Deutung
Der Verfasser geht von der Hypothese aus, dass die parlamentarischen Demokratien vor allem des »alten Westens« (Europa und Nordamerika) im Begriff sind, alles zu verlieren, was sie einst aus einer utopischen Idee entstehen ließen: Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit. Wenn der private Wohlstand als Ziel der Massen erstrebt und erreicht wird, liegt die bürgerliche Teilhabe genau so weit in utopischer Ferne wie die Ideale der Demokratie. Goethes Verse aus dem Faust, die diesem Buch als Motto dienen, sind im Namen eines Bürgertums verfasst, das seinerzeit schon staatstragend bedeutsam war: »Was du ererbt von deinen Vätern hast,/ Erwirb es, um es zu besitzen« – will sagen: Auch der Wohlstand muss durch jedermanns Hände Arbeit von Generation zu Generation neu geschaffen werden. Nur als ›erworbenes‹ Wertziel kann er sich politisch legitimieren. Wie destruktiv dagegen der Wohlstandsprivatismus dem Gemeinwohl in einer freiheitlichen Demokratie entgegensteht, soll dieses Buch analysieren. Sein Fazit wird zeigen, dass Mitbestimmung und Solidarität für die wachsenden Massen unseres Planeten, die nach Wohlstand streben, ein zunehmend fernerer Traum ist, der zum dystopischen Albtraum wird, wenn Ideal und Wirklichkeit sich bekämpfen.
Palavergehorsam
Über Meinungsdirigismus und den Verlust der Wirklichkeit
Zu fragen ist, warum ausgerechnet in Zeiten anschwellender Informationsflüsse die Desinformation immer größeres Ausmaß annimmt; weshalb immer mehr Gebildete immer mehr Unbildung in Sachen Quellenvalidierung und Medienkritik verraten. Wirken die Mittel der Massenkommunikation kontraproduktiv in Sachen Faktencheck und Urteilsbildung? Der Vergleich, der in der Metaphorik des Buchtitels mitschwingt, sieht Gemeinsamkeiten zwischen der Hörigkeit des Verschwörungstheoretikers und dem »Kadavergehorsam« des (soldatischen) Befehlsempfängers, der seine sozialgeschichtlichen Wurzeln in Systemen der Hierarchie hat. Im Blickpunkt steht damit ein Nachfahre jenes autoritären Charakters, den u. a. Erich Fromm ab den 1930er Jahren beschrieb und den der Kulturhistoriker Johan Huizinga für die »Gleichgültigkeit gegenüber der Wahrheit« verantwortlich machte, als er 1935 klagte: »Das Ärgste ist die überall wahrnehmbare ›indifférence à la vérité‹, die in der öffentlichen Anpreisung des politischen Betrugs ihren Gipfel erreicht.«
Homo Sapiens -
eine aussterbende Art?
In seinem epochalen Werk über die Abstammung des Menschen lässt Charles Darwin nur zwei Andeutungen zur Verbindung von der Evolution der Tier- und Pflanzenwelt zur Gattung Homo fallen. Er thematisiert nicht, dass der Mensch mit seiner physischen und geistigen Ausstattung ein Abzweig der Natur oder eine hybride Entwicklung ist. Bei weniger Gefahr, religiöse Empfindlichkeiten zu verletzen, hätte er möglicherweise die innere Gewalt dieser Spezies erwähnt, die zu ihrem eigenen Aussterben führen könnte. Ironischerweise betrieb die „darwinistische“ Menschheit, insbesondere die weiße Rasse, die Ausrottung der „Kolonialvölker“, die vom Konzept des „survival of the fittest“ nichts wussten. Der Mensch, als größter Feind des Menschen, arbeitete in großem Stil an seiner eigenen Dezimierung, sei es durch Kolonialismus, Weltkriege oder im Anthropozän. Der „todbringende Mensch“ (Walter Burkert) fand seine evolutionäre Bestimmung, auch durch Eingriffe in das Weltklima, die Biosphäre und die DNA. Michael Crichton, bekannt durch Jurassic Park, zitiert Darwin als Kronzeugen, wenn er das ideengeleitete aggressive Verhalten – „uniquely in the animal kingdom“ – für das Aussterben des Menschen verantwortlich macht.
Droste verstehen
Text + Deutung
Sobald man Annette von Droste-Hülshoff mit ihrem vollen Namen nennt, wird man mit (frühen) Leseerfahrungen konfrontiert, die sich auf die (Schul-)Lektüre der Judenbuche beziehen. Das raue Wilderer- und Dorfmilieu sowie die Psychologie des hochstaplerischen Friedrich Mergel überraschen aus der Feder eines »Freifräuleins«, das im biedermeierlichen Luxus lebte. Kaum vorstellbar, dass die Zeitgenossin Heinrich Heines, als unverheiratete Frau, die als (Ton-)Dichterin und Mäzenatin galt, soziale Schichten jenseits der feudalen Obrigkeit erforschte und menschliche Dramen in der verarmten Landbevölkerung aufspürte. Gesellschaftliche Grenzen waren für die »Stockwestfälin« aus dem Münsterland irrelevant, ebenso wie konfessionelle, landessprachliche oder nationale. Als eine der ersten Frauen erhob sie literarischen Anspruch, auch wenn ihre Arbeiten von der männlichen Schreiberschaft ignoriert wurden. Ihre Prosa wechselt zum dokumentarischen Realismus, den damals nur Büchner, Hebbel oder Gotthelf erreichten. Auch in der Lyrik zeigt sie moderne Töne, indem sie »ganz Auge« ist. Stark genug, um »unsre blasierte Zeit mit dem Rücken anzusehn«, war sie sich ihres Nachruhms sicher: »Ich mag und will jetzt nicht berühmt werden, aber nach hundert Jahren möcht ich gelesen werden.«
Das Unbewusste in Werken der Literatur nachzuweisen, scheint eine abenteuerliche Aufgabe. Was ist das Unbewusste? Welche Rolle spielt es im künstlerischen Prozess und in der Rezeption literarischer Kunstwerke? Zum 175. Todestag von Johann Wolfgang von Goethe liefert Oberlin ein neues Instrumentarium zur ganzheitlichen Wahrnehmung verschiedener Bewusstseinsschichten der hier interpretierten Hauptwerke von Goethe und Schiller und lässt den Leser so seine eigenen unbewussten Reaktionen und den Rezeptionsprozess verstehen. Dieses Buch leistet einen wichtigen methodologischen und inhaltlichen Beitrag zur wissenschaftlichen Diskussion einer Hermeneutik und Ästhetik des Unbewussten. Es trägt damit zum Verstehen der mit am stärksten kanonisierten Werke deutscher Dichtkunst bei. Goethes »Leiden des jungen Werthers«, »Faust«, die sogenannte »Marienbader Elegie« und Schillers »Räuber« werden auf Formen und Inhalte untersucht, in denen das ›Nichtsagbare‹ zum Ausdruck kommt. Es wird erklärbar, weshalb der Rezeptionsprozess auch ein Prozess der Tabuisierung ist, bei dem Tabu und psychische Katharsis einander nicht ausschließen, sondern sogar bedingen.





