Vor verschiedenen lerntheoretischen Ansätzen und auf Basis differenzierter methodologischer Reflexionen werden alternative Deutungsmuster und Typisierungen für Szenen aus dem Alltag von WPU erarbeitet. Die vorliegende Studie geht in zweierlei Hinsicht weit über die vorherrschenden, normativ ausgerichteten Arbeiten zu WPU hinaus: Erstens stellt die Autorin die SchülerInnen und deren Kooperationsweisen in alltäglichen Situationen in den Mittelpunkt, und zweitens geschieht dies vor dem Hintergrund verschiedener lerntheoretischer Ansätze und auf Grundlage differenzierter methodologischer Reflexionen. Mittels interpretativer Verfahren werden zehn ausgewählte Unterrichtsepisoden untersucht. Die Autorin zeigt, dass die Arbeits-, Kooperations- und Lernprozesse ganz entscheidend von den SchülerInnen selbst initiiert und gestaltet werden und dass diese Prozesse auf handlungsleitenden „alltagspsychologischen“ und „-pädagogischen“ Vorstellungen basieren. Sie identifiziert sieben Formen des „Kooperationshandelns“ und arbeitet, darauf aufbauend, drei „Kooperationstypen“ aus, in denen die interaktive Dimension noch einmal stärker gemacht wird. Die Arbeit hilft, normativ gesetzte Werte in der pädagogischen Diskussion kritisch zu reflektieren, und stellt allen, die sich intensiv mit Unterricht auseinander setzen, alternative Deutungsmuster und Typisierungen zur Verfügung.
Natascha Naujok Livres


Die Anwendung von (kinderliterarischen) Spielgeschichten erfolgt häufig zu zweit, wobei die gemeinsamen Rezeptionsprozesse am Computer komplex sind. Die Realisierung des Medienangebots hängt von dessen Bedeutungsstrukturen, der Medienkommunikation zwischen Angebot und spielenden Kindern, den Begleitinteraktionen sowie den Handlungsorientierungen der Kinder ab. Eine qualitativ-empirische Untersuchung im Schnittbereich von (deutschdidaktischer) Unterrichts- und Medienrezeptionsforschung beleuchtet, wie Kinder die gemeinsame Rezeption von Spielgeschichten gestalten und inwiefern diese Situationen lernförderlich sind. Die Autorin analysiert eine kinderliterarische Spielgeschichte und die interaktive Rezeption im Grundschulalltag. Dabei zeigt sich, dass die Kinder bei der gemeinsamen Rezeption mehr am spielerischen als am narrativen Gehalt orientiert sind. Schwierigkeiten in der Medienkommunikation werden häufig in Begleitinteraktionen bearbeitet, und lernförderliche Potenziale werden oft nicht genutzt. Der didaktische Ausblick zielt darauf ab, diese Rezeptionsprozesse zu verlangsamen, Begleitinteraktionen zu unterstützen und gemeinsame Rezeptionserfahrungen in Klassengespräche einzubetten.