Im Januar 2024 wurde unter gewaltiger medialer Aufmerksamkeit eine neue Partei ins Leben gerufen: das Bündnis Sahra Wagenknecht, kurz BSW. Jenseits der SED-Nachfolger sollte damit eine realitätsnähere, teilkonservative Linke etabliert werden. Erste Wahlerfolge schienen ihnen Recht zu geben. Autor Dr. Friedrich Pürner war bis 2025 Parteimitglied und zog 2024 für das BSW ins Europaparlament ein. Der Mediziner war vorher Gesundheitsamtsleiter in Bayern und wurde durch seine Kritik an der Corona-Politik bekannt. Hier gibt er einen seltenen Einblick in das Innenleben dieser neuen Partei. Es geht um Aufbruch, Loyalität und Macht – und um schnelle Ernüchterung. Denn hinter den Kulissen regieren zentrale Entscheidungsstrukturen, ein stark kontrollierter Führungsstil und streng innerparteiliche Denkmuster. Zahlreiche ehemalige Linke-Mitglieder halten die Zügel fest in Händen, gestalten die Partei nach ihren ideologischen Vorstellungen und schielen nach Ämtern und Posten, die für sie vorher unerreichbar waren. Pürner schildert seine Erfahrungen im Europawahlkampf 2024 und berichtet über interne Spannungen von Anfang an, hohen Erwartungsdruck und einen fragwürdigen Umgang mit Kritik bzw. abweichenden Meinungen. Zustande gekommen ist ein sehr persönlicher Bericht aus dem Inneren eines politischen Projekts – und ein Beitrag zur Frage, wie viel innerparteiliche Demokratie neue Parteien tatsächlich zulassen.
Friedrich Pürner Ordre des livres (chronologique)


Dr. med. Friedrich Pürner weiß, wovon er spricht. Als Gesundheitsamtsleiter hat er die ersten beiden Corona-Wellen an einem Brennpunkt des Geschehens erlebt. Sein Fazit: Dass Corona zu einer Krise solchen Ausmaßes wurde, liegt nicht in erster Linie an der Gefährlichkeit des Virus, sondern an den Fehlern in unserem Gesundheitssystem. Die Verschränkung von Politik und Medizin hat teilweise fatale Folgen, die lange unbemerkt blieben. Corona wirkt wie ein Brennglas, denn wir bekommen diese Auswirkungen in der Krise erstmals wirklich zu spüren. Selbst wenn wir die aktuelle Pandemie in den Griff bekommen, wird die nächste das öffentliche Gesundheitswesen vielleicht noch deutlicher an seine Grenzen führen. Sind wir dafür gewappnet? Nein, sagt der Amtsarzt. Wir müssen die strukturellen Probleme endlich angehen, Missstände beseitigen und Qualitätsstandards setzen, um künftigen Herausforderungen begegnen zu können.