Der Fokus des Jahrbuchs liegt auf den Widersprüchen in der polnischen Gesellschaft seit der Machtübernahme der nationalkonservativen Partei im Jahr 2015. Es untersucht den Konflikt zwischen Konservatismus und Liberalismus sowie die unterschiedlichen Lebensentwürfe, die in Polen aufeinanderprallen. Themen wie Geschlechterverhältnisse, Mobilitätserfahrungen im multikulturellen Westen und die Herausforderungen der katholischen Kirche werden beleuchtet. Zudem werden ästhetische Entwicklungen in Architektur und Stadtplanung thematisiert, die im Kontrast zum Chaos im öffentlichen Raum stehen.
Deutsches Polen-Institut Livres


Der Begriff von Völkern und Nationen spielt eine entscheidende Rolle in Geschichte und Gegenwart, obwohl heute oft angenommen wird, dass Nationen narrative Konstrukte sind. Historiker, Kulturträger und Politiker appellieren an ihre Nation und nutzen historische Erzählungen, um eine glorreiche Geschichte zu präsentieren und die Nation zu vereinen. In Polen sind beispielsweise die Geschichten um den legendären Staatsgründer Piast, siegreiche Schlachten und die Treue zur katholischen Kirche von großer Bedeutung. Das 20. Jahrhundert brachte nationale Mythen hervor, wie die heldenhafte Wiedergeburt des polnischen Staates 1918 und den Wunder an der Weichsel 1920, die den unbeugsamen Kampf gegen Totalitarismen und die Solidarität zur politischen Befreiung vom Kommunismus thematisieren. Obwohl diese Solidarität zerfallen ist, entstehen neue politische Mythen, die alte Narrative verändern oder zerstören, um die aktuelle politische Agenda der PiS-Regierung nach 2015 zu legitimieren. Das Jahrbuch von 2018 bietet eine kompetente und ausführliche Analyse der polnischen Mythen und Symbole und zielt darauf ab, einige gegenwärtige Mythen im historischen Kontext zu erklären.