Markus Lüpertz ist seit rund 60 Jahren als Künstler aktiv und hat seine Karriere als Maler begonnen, bevor er sich auch der Dreidimensionalität zuwandte. Seit den 1980er Jahren ist das Arbeiten mit Ton ein fester Bestandteil seines Schaffens, inspiriert durch Begegnungen mit Künstlern wie Eduardo Chillida und Hans Spinner. Lüpertz' künstlerisches Schaffen zeichnet sich durch eine figürliche Herangehensweise aus, die in einer Zeit, in der Gegenständlichkeit verpönt war, neue Motive für die zeitgenössische Kunst erschloss. Seine Malerei diente ihm als Prozess der Selbstfindung, wobei figürliche Elemente in abstrakte Zeichen transformiert wurden. Dies übertrug er auch auf die Plastik, was zu Neuinterpretationen historischer und mythologischer Figuren führte. Lüpertz schafft einen eigenen Kosmos, in dem er historische Vorlagen bearbeitet und ironisiert, um die menschlichen Darstellungen seit der Antike auf ihre Relevanz zu prüfen. Seine Skulpturen erweitern die Grenzen der Malerei, insbesondere durch den Einsatz von Farbe. Ein herausragendes Beispiel sind die 14 Großkeramiken, die er für die Karlsruher U-Bahn zwischen 2019 und 2022 schuf. Diese Werke, bestehend aus 140 Keramikplatten, sprengen die Dimensionen des Keramischen und setzen sich von der umgebenden Architektur ab. Sie verbinden antike Referenzen mit mythologischen Themen und bilden eine eigene Schöpfung, die Lüpertz' künstlerisches Universum reflektiert.
Prof. Dr. Chris Gerbing Livres
