Das Wort "Guerilla" stammt aus dem Spanischen, doch die bedeutendste Guerilla-Dichtung entstand ebenfalls in Spanien: "La Guerra Carlista" von Valle-Inclán. Diese Roman-Trilogie ist keine dokumentarische Erzählung, sondern eine Fiktion, die historische Ereignisse in epische Figuren verwandelt, ohne den Humor zu verlieren. Der Leser benötigt keine Vorkenntnisse über die militärisch-politischen Ereignisse der 1870er Jahre in Nordspanien, da die Essenz des Geschehens in scharf konturierten Bildern präsentiert wird, die zur Kontemplation anregen. Valle-Incláns Kunst zeichnet sich durch Originalität und den Willen zur Objektivität aus, die über eine bloße Kopie des Augenscheins hinausgeht. Sie zielt auf die Ruhe, aus der alle Bewegung kommt. Selbst die Schreckensgestalt von Santa Cruz, einem Pfarrer, der zum Partisanenführer wird, erregt nicht nur Entsetzen, sondern auch Mitgefühl durch seine Traumbilder von Siegen und Misserfolgen. Der Enthusiasmus der Kämpfenden wird nicht einfach durch die Enttäuschung des Krieges, der eine endlose Agonie darstellt, liquidiert. So entsteht ein faszinierendes Paradox eines modernen "Heldenpos", das aus dem Bewusstsein tragisch-grotesker Vergeblichkeit hervorgeht. Das Gewimmel der Getriebenen und Geschlagenen entfaltet sich vor dem Hintergrund einer statischen Realität, die das blutige Treiben nicht nur als Absurdität widerlegt, sondern in die Ruhe ihrer Schönheit aufnimmt.
Fritz Vogelgsang Ordre des livres (chronologique)
