Hermann Hesse
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The Reception of Roman Poetry Since World War I
This scholarly work delves into the influence of Roman poetry on contemporary Anglo-American, German, and French poets from the twentieth and twenty-first centuries. It examines how these modern writers have adopted and adapted ancient Roman poetic forms and themes, highlighting the enduring legacy of classical literature in shaping modern poetic expression. Through analysis, the book reveals the intersection of historical tradition and modern creativity in poetry.
Ob heute die aktuelle Rede einer Berliner Republik zutreffend ist, wird zur Nebensächlichkeit angesichts der Bedeutung, die Berlin vor etwa 200 Jahren errang: eine Weltmetropole des Geistes und der Kultur. Dieses andere, hochkultivierte Berlin und die Geniezeit der deutschen Geistesgeschichte zwischen Spätaufklärung, Klassik und Romantik läßt der amerikanische Literatur- und Kulturwissenschaftler Theodore Ziolkowski vor dem geistigen Auge seiner Leser entstehen. Berlin und Preußen hatte bei Jena und Auerstedt 1806 deprimierende Niederlagen, ihren Peloponnesischen Krieg erlitten. Doch die Gründung der Universität und die literarische Öffentlichkeit, die sich in Zeitungen, Zeitschriften und Salons entfaltete, ließ Berlin zum geistigen Zentrum werden. In Europa festigte sich das Aperçu von den Deutschen als einem Volk der Dichter und Denker, die ihre Revolutionen im Kopf machten, zu einem Mythos - schicksalhaft verknüpft mit Berlin, dem Spree- Athen. Theodore Ziolkowski spricht kulturgeschichtlich interessierte Leser an und zeigt am Beispiel von Berlin, daß eine Metropole, die lange Zeit zu einer der führenden Hauptstädte der Welt gehörte, nie ganz aus der Geschichte abtritt, selbst wenn sie - wie während des Kalten Kriegs - im Schlagschatten der Geschichte geistig und kulturell überwintern mußte.
Der oft erwähnte heutige 'Antike-Boom' reicht in Deutschland eigentlich bis in die 1930er Jahre zurück, als die warnende Stimme Kassandras und das tragische Schicksal der Atriden von mehreren Dichtern und Dramatikern des Exils und der inneren Emigration als verkappte Modelle für die eigene und die nationale Existenz übernommen wurden. Seitdem treten in der deutschen Literatur, auffallend häufiger als in anderen europäischen Kulturen, Gestalten aus der griechischen Mythologie sowie der römischen Geschichte als prä- oder postfigurierte Modelle für gegenwärtiges Geschehen auf. Odysseus entpuppte sich als Urtypus des heimkehrenden Soldaten und der Dichter Ovid als Ahne des modernen Emigranten. Prometheus wurde in der DDR zum symbolischen Helden und dann paradoxerweise zum Feind des Marxismus, während in der BRD der Philosoph Seneca drei verschiedenen Nachkriegsgenerationen ein anderes Muster des moralischen Benehmens bot. In der Gegenwart des wiedervereinten Deutschlands ist Medea zu einer Ikone des Feminismus geworden. So erblicken viele deutsche Schriftsteller in diesen mythologischen und historischen Gestalten durch Verfremdung der Gegenwart oder durch implizite Analogie zur Vergangenheit das immer noch vitale Erbe der klassischen Antike.
Theodore Ziolkowski erarbeitet in den 14 Essays dieses Bandes sowohl die Schwerpunkte einer Werkanalyse auf wissenschaftlich-komparativem Niveau als auch die kultursoziologischen Zusammenhänge, welche die amerikanischen Millionenauflagen des letzten Jahrzehnts bis in die Gegenwart erklären. Das Buch ist ganz aus der Auseinandersetzung mit amerikanischen Studenten, ihren Problemen und Erwartungen an die Literatur entstanden und versucht mit einer profunden Kenntnis der Literaturszene des 20. Jahrhunderts das Informationsdefizit der unkritischen Hesse-Leser auszugleichen, ohne dabei die zeitgeschichtlichen Ursachen der Hesse-Renaissance zu verdrängen.