In einer Droschke zweiter Klasse
- 302pages
- 11 heures de lecture






Literarische Zirkel in der DDR
Von 1965 bis 1995 existierte im Ostberliner Stadtbezirk Pankow ein privat initiierter Zirkel, in dem sich junge Lyriker und literarisch Interessierte regelmäßig zum Gespräch trafen. Hier stellten Thomas Brasch, Bettina Wegner, Uwe Greßmann, Richard Pietraß, Uwe Kolbe und Hartmut König ihre Texte vor, hier lasen Günter Kunert, Stephan Hermlin und viele andere. Die Auseinandersetzungen im Club schwankten zwischen poetischem Protest und politischer Poesie. Infolge der Ereignisse von 1968 ließ die Staatssicherheit Bettina Wegner und ihre Freunde verhaften, da sie mit Plakaten und Gedichten gegen den Einmarsch in Prag protestiert hatten. Der langjährige Leiter des Clubs, Hans Laessig, hat das komplett erhaltene Archiv über die Jahre gerettet, das aus seinem Nachlaß jetzt für eine umfassende Auswertung zur Verfügung stand. Ergänzt wurde es durch zahlreiche Gespräche mit den damaligen Akteuren und die Einbeziehung der entsprechenden staatlichen Akten.
Essays und Dokumente
Der Band greift kritisch den Begriff »DDR-Literatur« auf. Ist er ein Auslaufmodell? Vielleicht. Die Geschichte seiner Inanspruchnahme hat den Blick auf das reale literarische Leben in der DDR verstellt. Archive und andere Quellen liefern die Belege. Eine neue Sicht kristallisiert sich heraus. Unerwartete Korrespondenzen leuchten Dunkelräume aus (etwa zwischen Dieter Schlenstedt und Heinz Czechowski oder zwischen Fritz J. Raddatz und Roland Links), Nachlassprofile korrigieren Autorenbilder, und kaum wahrgenommene Phänomene wie Sammlungen von Zeitungsausschnitten geraten in den Fokus. Fragt man heute nach einem Selbstverständnis von DDR-Autorschaft, ergibt sich eine verblüffende Bandbreite – von Hermann Kant über Elke Erb bis zu Durs Grünbein und Lutz Seiler. Mit Beiträgen von Roland Berbig, Katrin von Boltenstern, Maria Büttner, Julia Frohn, Susann Hochgräf, Ira Klinkenbusch, Lore Kurtz, Diego León-Villagrá, Michaela Nowotnick, Hannes Schwenger u. a.
Fontanes vielgestaltige literarische Arbeit durchzieht wie ein roter Faden sei es in den frühen Feldherrn-Gedichten, sei es in den zahlreichen Feuilletons, und sei es vor allem in den „Wanderungen durch die Mark Brandenburg“. Er hat biographische Lexikonartikel verfasst und in Auftragsarbeiten die preußischen Könige portraitiert. Diesem Phänomen wird in der vorliegenden Publikation, an der sich renommierte Fontane-Forscher aus mehreren Ländern beteiligten, erstmals aus sehr verschiedenen Blickwinkeln nachgegangen. Das Resultat ist Bis jetzt eher vernachlässigte Werkteile erfahren eine gründlichere und aufschlussreiche Untersuchung. Überdies erlauben beinahe alle Beiträge einträgliche Rückschlüsse auf das erzählerische Hauptwerk. Verfahren der Biographieforschung werden genutzt und andere Fachdisziplinen wie die Geschichts- oder Kunstwissenschaften einbezogen. Damit ist ein neuer, keineswegs schon ausgeschöpfter, produktiver Zugang zu Fontanes komplexem literarischen und journalistischen Werk eröffnet, dem bald weitere, anknüpfende Arbeiten folgen dürften.
Zeitungen und Zeitschriften, Verlage und Vereine
Ähnlich einem Handbuch informiert die Darstellung in übersichtlich gegliederten Einzelartikeln über die wesentlichen Bindungen, die Theodor Fontane zu Zeitungen und Zeitschriften sowie zu Verlagen und Vereinen unterhielt. Jeder Artikel gliedert sich in ein Kurzporträt und eine geschlossene, mit prägnanten Zitaten arbeitende Beschreibung, der ein knappes Literaturverzeichnis beigefügt ist. Quellengestützt und lektürefreundlich schildert das Buch sowohl die einzelnen Institutionen des literarischen Lebens als auch die besondere Beziehung, die Fontane zu ihnen einging. Das journalistische und literarische Umfeld, in das Fontanes Texte gerieten, wird plastisch und faktenreich vorgestellt. Die dadurch möglich werdende Rekonstruktion ursprünglicher Kontexte führt zu überraschenden Einsichten und wirkt schematisierenden Texterklärungen entgegen. Dabei profitiert die Literaturgeschichte von der Presse- und Buchhandelsforschung und den jüngsten Untersuchungen zum Vereinswesen. Zahlreiche Abbildungen, ein umfangreiches Literaturverzeichnis und differenzierte Register bedienen weitgesteckte Leserbedürfnisse.