In diesem Sammelband wird der Versuch unternommen, das Konzil von Trient in die umfassenden religiösen, kulturellen und politischen Bewegungen des 16. und 17. Jahrhunderts einzuordnen. Zudem werden die Verbindungen zwischen der Entstehung des modernen Staates, der Veränderung der Kirchenstrukturen und der Bildung der Territorialkirchen beleuchtet. Die Beiträge, entstanden aus einer Studienwoche des Italienisch-Deutschen Historischen Instituts in Trient, befassen sich mit verschiedenen Aspekten der Konfessionalisierung und der Bedeutung der Reformimpulse des Konzils für die Modernisierung. Die Herausgeber, Paolo Prodi und Wolfgang Reinhard, haben provokant Paradigmen wie Modernisierung, Rationalisierung, Individualisierung und Sozialdisziplinierung eingeführt. In Anlehnung an Ernst Troeltsch und Max Weber wird die Frage aufgeworfen, ob das abendländische Christentum aktiv zur Entstehung der Moderne beigetragen hat oder ob es diese nur passiv erlebt hat. Die Beiträge setzen sich mit diesen Paradigmen auseinander, indem sie sie akzeptieren, diskutieren oder ablehnen. Besondere Themen wie die Beziehungen zwischen Kirche, Reich und Landesfürsten, die neuen Verfahrensregeln der Konzilsdebatten, die Rolle neuer religiöser Orden, veränderte Seelsorge und Volksfrömmigkeit sowie weitere relevante Fragen werden hier neu untersucht, wobei die Betrachtung in einem Spannungsfeld zwischen kirchlich-religiöser und weltlicher Sphäre erfolgt.
Paolo Prodi Livres


Eine Geschichte der Gerechtigkeit
Vom Recht Gottes zum modernen Rechtsstaat
- 488pages
- 18 heures de lecture
Paolo Prodis klar und transparent geschriebenes Buch ist ein Glanzstück politischer Ideengeschichte und fächerübergreifender Gelehrsamkeit. Es bietet nicht nur einen fundierten historischen Überblick über die Entwicklung des Gerechtigkeitsgedankens, sondern liefert zugleich den geistesgeschichtlichen Hintergrund, vor dem sich die aktuellen Debatten um Gewissen und Gesetz in ihrer ganzen Problematik und Reichweite besser verstehen lassen. Paolo Prodi entwirft ein eindrucksvolles und weitgespanntes Panorama der Gerechtigkeitsvorstellungen, das vom Alten Testament und der griechischen Antike bis in die Gegenwart reicht. Ausgangspunkt sind dabei die religiös geprägten Auffassungen von iustitia, nach denen Gerechtigkeit zwischen den Menschen und Gerechtigkeit Gottes eng miteinander verbunden sind. Ab dem 13. Jahrhundert kommt es jedoch allmählich zu einem Pluralismus der Rechtsordnungen (Kirchenrecht, Naturrecht, Römisches Recht ...) und der Gerichte. In der Folge treten das von verschiedenen konkurrierenden Instanzen gesetzte Recht und die Erfordernisse des nun individuell werdenden Gewissens auseinander. An die Stelle des allwissenden Gottes tritt mehr und mehr der allmächtige und omnipräsente Staat, der nun auch Gewissensfragen rechtlich zu regeln versucht. Und dieser Konflikt zwischen dem Gewissen des einzelnen und dem allgemeinen Gesetz der großen Institutionen bestimmt bis heute die Gerechtigkeitsproblematik, etwa in Fragen der Abtreibung, der Sterbehilfe oder der manipulierenden Eingriffe in die menschlichen Gene.