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Felix Ackermann

    MERKUR 12/2024, Jg.78
    Palimpsest Grodno
    • MERKUR 12/2024, Jg.78

      Nr. 907, Heft 12, Dezember 2024

      • 104pages
      • 4 heures de lecture

      Steffen Mau schlägt vor, die Probleme, die sozialer Wandel hervorruft, unter dem Aspekt ihrer Zeitverhältnisse zu betrachten – und warnt: „Alle Versuche, Politik mit der Brechstange zu machen und Gesellschaften einen grundlegenden Wandel aufzuzwingen, erweisen sich als hoch riskant.“ Ist klein manchmal fein? Das fragt Christian Demand im Blick auf das Wohnen und den architektonischen Umgang mit Beengung, vom frühen 20. Jahrhundert bis in die Youtube-Gegenwart. Was man als Radfahrer auf Alpenpässen so alles erlebt und erfährt, kann Valentin Groebner aus eigener Anschauung und Anstrengung schildern. In seiner Musikkolumne fragt Tobias Janz nach dem Zusammenhang von Musik und Bewegung. Von einer Vortragsreihe zu emanzipatorischen Potenzialen im Iran berichtet Nacim Ghanbari. Matthias Rothe sieht, wie von links wie von rechts an Michel Foucault gezerrt wird, und plädiert sehr dafür, die Komplexität wie die Ambivalenzen dieses Denkers zu wahren. Eine etwas andere Geschichte der Nachkriegszeit im deutschen Osten wie Westen erzählt Felix Ackermann – und auch davon, wie es zur beabsichtigten Friedenskonferenz, die alle Opfer der Deutschen einschließen sollte, nie kam. Victor Loxen berichtet nicht ohne Skepsis vom Siegeszug der Informationsfreiheit als Recht gegenüber dem Staat in westlichen Demokratien. Susanne Neuffers (letzte) Schlusskolumne spielt am untersten Ende der Nahrungskette.

      MERKUR 12/2024, Jg.782024
    • Palimpsest Grodno

      Nationalisierung, Nivellierung und Sowjetisierung einer mitteleuropäischen Stadt 1919-1991

      • 372pages
      • 14 heures de lecture

      Die heute weißrussische Stadt Grodno liegt in jener mitteleuropäischen Zone, die durch die deutschen und sowjetischen Verheerungen im Zuge des Zweiten Weltkriegs demografisch weitgehend zerstört wurde. Felix Ackermanns Studie zeichnet das Ineinandergreifen von Völkermord, Zwangsarbeit, Deportationen und Umsiedlungen nach und analysiert, wie die Besatzer aktiv ethnische und nationale Zuschreibungen einsetzten, um diese Prozesse zu steuern. Anhand einer breiten Quellenbasis wird die Entwicklung der weißrussischen Nation auf lokaler Ebene untersucht. Dabei stellt Ackermann einen langfristigen Zusammenhang zwischen der bereits nach dem Ersten Weltkrieg verstärkten Nationalisierung ethnischer Zuschreibungen und der 1939 einsetzenden und 1944 verstärkten Sowjetisierung der Region her. Die sowjetische Industrialisierung nach dem Zweiten Weltkrieg bildete demnach die Grundlage für eine moderne urbane weißrussische Erzählung von Grodno. Durch das genaue Nachzeichnen der Migrationsströme in die Stadt sowie der Anpassungsstrategien der neuen Bewohner wird deutlich, warum trotz der starken institutionellen Verankerung der weißrussischen Titularnation die urbane Kultur Grodnos russophon dominiert war. Die Abfolge sowie das Ineinandergreifen von Einschreiben, Löschen und Neudefinition kultureller Textur werden dabei als lokaler Aneignungsprozess beschrieben, als dessen Ergebnis ein Palimpsest entsteht.

      Palimpsest Grodno2008